Lenin Riefenstahl

Lenin Riefenstahl ist der Name dieser Band

Wir sehen Sie schon, die Konzertveranstalter, die Radio- und Zeitungsredaktionen, die Jungs und Mädels vom Verfassungsschutz, wie sie ihre Brauen heben, mit den Schultern zucken und krude Absichten hinter unserem Bandnamen wähnen. Wohl an, schließlich soll eine Rockband ja auch die Fantasie beflügeln. Dennoch scheint es uns als Band nötig, gewisse Erläuterungen zu dieser Namensgebung zu formulieren.

In einem Satz: Wir verstehen uns als antifaschistische und antirassistische Rockband und sind aus Gründen der Phonetik und der geballten Tragik auf diesen Namen gekommen. So hat der Politiker Lenin mit der Filmregisseurin Leni Riefenstahl mehr gemein, als auf den ersten Blick zu vermuten ist. Denn grundsätzlich ordneten beide ihren politischen beziehungsweise künstlerischen Zielen alles unter. Sie ließen Moral und Mitgefühl vermissen, um letztlich ein vermeintliches höheres Ziel (Revolution/Kunst) zu erreichen. Denn ohne Revolution keine klassenlose Gesellschaft, ohne Filme keine Partizipation an der Ewigkeit durch Kunst.

Es ist eine vertrackte Kiste. So hatte beispielsweise Lenin keine Skrupel, hungernden Bauern seine Unterstützung zu verwehren, da er davon ausging, dass satte Bauern eher nicht zur Revolution neigen. Riefenstahl hingegen ließ sich auf Adolf Hitler ein, um ihre Karriere in Schwung zu bringen. Der Regisseurin der „Reichsparteitagstrilogie”, des „Triumph des Willens“ und „Olympia“ ging es angeblich ausschließlich darum, ästhetische Dokumentarfilme zu drehen. Dass es sich dabei um gezielte NS-Propaganda handelte, war ihr herzlich egal. Gewisse Parallelen zu fragwürdigen Subjekten, die in Nike-Turnschuhen gegen die Globalisierung demonstrieren  sind unseres Erachtens gegeben. Unser Bandname steht also für die Polykontexturalität, Widersprüchlichkeit und Fehlbarkeit des Individuums sowie die daraus resultierende Tragik.